Was ich an Menschen schätze
- C*

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Ich schätze Menschen, die das Gemeinsame vor das Trennende stellen.
Wir erleben unterschiedliche Kulturen, oft auch geprägt von Religionen. Das einzige Glaubensbekenntnis, das ich vertreten möchte, ist das des Menschseins.
Als Mensch möchte ich im Einklang sein mit der Natur und ihren Jahreszeiten. Ich glaube an einen Schöpfergeist, aber nicht im Sinne der monotheistischen Weltreligionen.
Ich frage nicht nach Religionszugehörigkeit, nicht nach Hautfarben, nicht nach sexuellen Neigungen, nicht nach Konfektionsgrößen, nicht nach Einlagen auf Bankkonten.
Ich erlebe Menschen zunächst als Individuen, die ganz unterschiedlich in ihren inneren und äußeren Strukturen leben. Ich schätze eine menschliche Gemeinschaft und möchte Menschen in einem Zusammenklang erleben, aber nicht unbedingt im Gleichklang.
Ein Gegeneinander ist oft Nährboden für Schadenfreude. Diese ist eine Freude, die meist von kurzer Dauer ist - und sich irgendwann gegen einen selbst richten kann. Wie ein Bumerang kehrt sie zurück zu dem, der sie aussendet.
Ich schätze Menschen, denen so manche -losigkeiten fremd sind: Humorlosigkeit, Lieblosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Schamlosigkeit.
Offenheit und Güte sind Werte, die mir wichtig sind. Immer noch schätze ich einen Handschlag als Verbindlichkeit, der mehr bedeuten kann als ein seitenlanger Vertrag mit viel Kleingeschriebenem. In einer Zeit, in der vieles digital und distanziert abläuft, gewinnt diese bewusste Geste eine neue, besondere Bedeutung. Sie bringt Menschen zusammen.
Ich mag es, wenn Menschen hinterfragen, neu denken.
Ich glaube, vielen Menschen geht es so wie mir, sie schätzen Ähnliches. Ganz sicher können wir diese Liste noch um Etliches erweitern. Ich denke, viele sehnen sich nach einer Welt, die sich Werten der gelebten Menschlichkeit öffnet. Und ich frage mich, an welchem Zeitpunkt ein Mensch beginnt, sich von Menschen abzuwenden.
Wir haben immerhin alle den gleichen Weg genommen, um in diesem Leben anzukommen. Dennoch spielt auch die soziale Herkunft eine große Rolle bei der Chancenverteilung. Vermutlich haben sich zu viele Enttäuschungen bei einem Menschen eingenistet, der sich nicht mehr für ein faires Miteinander interessiert: Hoffnungen, die nicht erfüllt wurden; Vertrauen, das verraten wurde; Lieblosigkeit von Menschen, von denen ein Gesehenwerden ersehnt wurde. Immer ein (vergeblicher) Kampf darum, Beachtung zu erlangen.
An meinem früheren Arbeitsplatz - in der Betreuung von Kindern - hing ein Plakat an einer Tür: Liebe mich am meisten, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am meisten.
Abgesehen davon, dass ich nicht der Meinung bin, ein Mensch müsse sich Liebe verdienen, weiß ich schon, was dieser Satz meint: Wende dich nicht ab, wenn ich Mist gebaut habe - denn dann brauche ich dich am meisten. Gibt es vielleicht eine weitere oder klügere Übersetzung?
Ich kannte einst einen Mann - etliche Jahre älter als ich -, der auf den ersten Blick ein sehr charismatischer und einnehmender Mensch war: Er konnte Menschen mit seinem Charme für sich gewinnen, war vielseitig gebildet, polyglott, großzügig, wirkte empathisch und schien humanistische Werte zu vertreten. Es dauerte nicht lange und seine Fassade bekam erste Risse. Seine Art, mir gegenüber vertraulich über Menschen zu sprechen, zeigte mir ein erkaltetes Herz. Vor allem seine Haltung gegenüber Frauen war zynisch und misogyn. Wann immer er die Gelegenheit fand, Frauen zu demütigen, nahm er sie wahr. Seine frauenverachtende Haltung traf auch mich, weil ich ziemlich rasch herausgefunden hatte, dass dieser Mann im Grunde seines Herzens niemals erlebt hatte, wie sich Liebe anfühlt. Die erste Frau, der er mit leidenschaftlichem Hass begegnete, war seine Mutter. Von ihr fühlte er sich weggestoßen, nicht gesehen und früh (auch räumlich) verlassen.
Dieser Mensch hat bereits als Kind gelernt, seine Verachtung einzusetzen. Ich glaube, Ähnliches und weitere Lebenskämpfe können wir auch in Biografien weiterer Menschen finden, die sich zu Narzisst*innen entwickelt haben, wie immer sie auch heißen.
Wie sehr ich Eltern und Großeltern schätze, die ihre Kinder und Enkelkinder interessiert und liebevoll ins Leben begleiten! Die Chance, dass diese Kinder empathische Erwachsene werden, ist wohl groß.
Fotos: C* - Raum für Kunst im Lieblingsgarten, wie diese Besucher in den Rosenbeeten



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