Unvergessen ...
- C*

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Bereits um 1300 v. Chr. siedelten sich die Sikeler, die der Insel Sizilien ihren Namen gaben, auf den Hängen des Monte Tauro an. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt, heute als Taormina bekannt, griechisch.
Die kleine Stadt Taormina an der Ostküste Siziliens begeistert mit ihren im Mittelalter errichteten hübschen alten Häusern, die neu errichtet werden mussten, nachdem zwei Aufstände gegen die arabische Herrschaft 962 und 969 n. Chr. die Zerstörung der Stadt nach sich zogen.
Nur zweimal in meinem bisherigen Leben bin ich auf Urlaub geflogen. Beide Urlaube sind mir unvergesslich und haben sich mit vielen Eindrücken in meinem Kopf und in meiner Gefühlswelt verewigt.
Im August 2000 war ich mit meiner Schwester eine Woche in Taormina, nachdem sie diese Stadt und auch die Insel anlässlich ihrer zweiwöchigen Maturareise schon einige Jahre zuvor liebgewonnen hatte.
Besonders in Erinnerung sind mir die schmalen Gassen, in denen Künstler*innen ihre Werke feilbieten. Vom antiken römischen Theater aus, das auch als Teatro Greco bezeichnet wird, hat man einen tollen Blick auf den Ätna, der nie zur Ruhe gekommen ist und wiederholt auf diese Weise auch ein Problem für den Flugverkehr ist.
Taormina ist eine Stadt, die zweifelsohne sehr romantisch anmutet. Hier werden wohl Heiratsanträge gemacht - und hier wird ganz sicher auch gerne geheiratet. Beides kann ich sehr gut nachvollziehen :-)
Unser Urlaub verlief sehr bewegt für mich, u.a. weil mein Koffer nicht mit mir auf die Insel gekommen war. Ausgerechnet mir musste das passieren! Die Suche nach dem vermissten Koffer brachte eine Menge Unruhe für mich, und nur den beharrlichen Anrufen meiner Mutter bei der Fluglinie ist es zu verdanken, dass mein Koffer schließlich gefunden wurde - in Teheran! Meine Mutter brachte es zustande, dass das gute Stück sozusagen nachgeschickt wurde - es wurde mir am letzten Tag unseres Aufenthalts übergeben, nämlich am 10. August. Aber dieser 10. August ist mir auch aus ganz anderen Gründen in lebhafter Erinnerung.
Es war die Nacht der Nächte, von 10. auf 11. August erlebte ich ein Konzert der Extraklasse im wunderbaren alten Teatro Greco. Ein derart spezielles Konzert, das sicherlich unvergleichlich ist - bis zum heutigen Tag.
Ich durfte Compay Segundo erleben, der Teil des musikalischen Projekts Buena Vista Social Club*) war, das der amerikanische Gitarrist, Sänger, Komponist und Produzent Ry Cooder 1996 initiiert hatte. (Ausgesuchte kubanische Musiker, lauter ältere Herren und eine Sängerin, erweckten den fast in Vergessenheit geratenen historischen Musikstil des kubanischen Son zu neuem Leben.)
Zu unseren Füßen glitzerten die Lichter Siziliens, unvergleichlich schön - und ich fieberte dem Auftritt des alten Mannes (Compay Segundo war damals immerhin 93 Jahre "jung") entgegen. Das Konzert sollte wohl gegen 20 Uhr beginnen, doch wir warteten und warteten. Bald hörten wir das Gerücht, dass ein bestimmtes Instrument nicht mit im Gepäck war, es hatte wohl ein ähnliches Schicksal erlitten wie mein reisefreudiger Koffer. Schließlich die erlösende Nachricht, man hatte ein Ersatzinstrument gefunden - endlich, endlich konnten wir die ersten Klänge des so sehnsüchtig erwarteten "Kuba-Sounds" hören. Gänsehaut pur! Es war ein phänomenaler Abend, das kann ich noch heute sagen.
Wim Wenders hat sich übrigens in seinem gleichnamigen*) Dokumentationsfilm auf die Spuren dieses Projekts begeben. Es lohnt sich, zumindest in das unten angeführte Video hineinzuhören.
Später feierten meine Schwester und ich den glücklichen Abend in einem Lokal, ich ganz gelöst auch ob der guten Landung meines Koffers. Meine Stimmung wurde immer heiterer, auch deshalb, weil an unserem langen Nebentisch lauter schöne Menschen saßen: Frauen und Männer, derart gestylt, dass ich meine Augen kaum von ihnen lassen konnte.
Nur eines fand ich seltsam: Das Schuhwerk der sehr hübschen Ladies war doch etwas groß geraten ... Des Rätsels Lösung war dann doch eine kleine Überraschung: Die Ladies waren wohl eigentlich Boys, manche vielleicht auch auf dem Weg, Frau zu werden.
Auf Taormina gibt es übrigens eine recht lebhafte queere Szene, deren Ursprung ins späte 19. Jahrhundert zurückreicht.
Und jetzt - Bühne frei für den Buena Vista Social Club 🎤🎻🎸
Foto: Pixabay, Guy Rey-Bellet ("grey48")


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