Eine berührende Geschichte
- C*

- vor 7 Stunden
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Der verlorene Mann
Derzeit läuft dieser Film in unserem Programmkino. Dass ich den Film unbedingt sehen möchte, ist mir klar. Es geht nur noch darum, den Kinobesuch zeitlich unterzubringen.
Im Film geht es um Kurt, der eines Tages vor Hannes Tür steht. Hanne ist inzwischen längst mit Bernd verheiratet. Beide nehmen Kurt bei sich auf, denn er weiß nicht mehr, dass er schon seit vielen Jahren von Hanne geschieden ist.
Eine Geschichte über Vergessen und Erinnern, über Liebe und Freundschaft, über das Älterwerden und Abschiede. Hochgelobt sind die Darstellungen von Dagmar Manzel, Harald Krassnitzer und August Zirner.
Entschwunden
Einige Wochen sind nun nach der Hüftoperation meines Vaters vergangen.
Die leider notwendige Vollnarkose hat dem Gehirn des alten Mannes offensichtlich nachhaltig geschadet. Ich glaube, damit müssen wir uns abfinden.
So wie meine Mutter leidet auch mein Vater unter einer Demenzerkrankung. Was sich bei meiner Mutter über Jahre relativ langsam entwickelte, schreitet bei meinem Vater rascher voran. An manchen Tagen war er schon vor ein paar Jahren verwirrt, aber er hatte auch noch recht gute Tage, immer interessiert an den Vorgängen in der Welt der Politik und des Sports. Noch vor einem halben Jahr konnten wir uns ganz gut über das, worüber er las, und über andere Themen verständigen. Nun ist das alles nicht mehr möglich.
Mein alter Herr hat große Schwierigkeiten, Worte zu finden, Sätze zu formulieren. Er spricht leise, blickt mich hilflos an, beginnt einen Satz, vergisst ihn und greift sich an den Kopf - die Worte, nach denen er verzweifelt sucht, sie sind entschwunden. Und sie bleiben es auch.
Seine Trauer über diesen Prozess sehe und spüre ich nicht nur, wenn ich bei ihm bin. Diese Traurigkeit holt mich in vielen Momenten ein und ich weiß genau, diese Emotion ist nicht nur meine eigene, ich kann ganz klar auch meinen Vater darin spüren. Ich fühle seinen stummen und bittenden Blick auf mich gerichtet - und dann kann ich gar nicht anders, als ihn zu besuchen.
Ich versuche, ihn aufzumuntern. Ich muss dazu inzwischen eine ganz einfache Sprache wählen. Mein Vater, einst ein geistig äußerst gewandter Mann, er braucht nun simple Anweisungen, kurze Sätze. Sie müssen mitunter mehrfach wiederholt werden, damit Inhalte zu ihm durchdringen. Doch auch dann ist nicht sicher, dass er versteht, was wir vermitteln möchten.
Ich gebe mein Bestes, um meinen Vater zum Trinken zu animieren. Wenn er ein Glas Wasser oder Tee vor sich hat, dann nehme ich auch selbst ein Glas Wasser zur Hand. Ich sage Prost, Papa, ein Zeichen, um miteinander das Glas zu heben und daraus zu trinken. Manchmal gelingt es mir, ihn zu überzeugen - meistens leider nicht. Dann fange ich wieder von vorne an: Papa, trinken wir einen Schluck!
Er versinkt in seinem Rollstuhl, blickt auf den Tisch - und schweigt. Der Körper meines Vaters unterstreicht, was nicht zu übersehen ist: Ich bin müde. Ich bin so müde.
Der alte Mann hat jegliches Zeitgefühl verloren, bereits um drei Uhr nachmittags möchte er sich ins Bett legen - zum Schlafen, wie er selbst sagt. Neu sind auch Ängste, die er nicht näher erläutern kann. Das kenne ich genau so auch von meiner Mutter.
Neulich fragte mich ein Kollege nach dem Befinden meiner Eltern. Ich schilderte kurz die letzten Wochen. Er wies mich darauf hin, dass ich eventuell auch an einer Form von Demenz erkranken könnte. Das wäre nicht nötig gewesen.
Bild: erstmals ein Bild mit KI erstellt - ein Versuch ...



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