Der eigenen Natur treu bleiben
- C*

- vor 3 Stunden
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Bleibe deiner eigenen Natur treu.
Wenn du es liebst, langsam und stetig zu arbeiten,
lass dich von anderen nicht hetzen.
Wenn du Tiefe magst, zwinge dich nicht zur Breite.
(Susan Cain, Autorin)
Susan Cain ist eine amerikanische Autorin, die sich intensiv mit Introversion beschäftigt. Sie beschreibt in ihren Büchern, dass die moderne westliche Kultur die Eigenschaften und Fähigkeiten introvertierter Menschen missversteht und unterschätzt. Ohne bislang ein Buch von Susan Cain gelesen zu haben, stehe ich zu dieser Einschätzung: Sie speist sich aus meiner Lebenserfahrung und vielen Beobachtungen. Gehört werden in dieser Welt die Lauten, nicht die Leisen.
Die Gehirne von Intro- und Extrovertierten funktionieren unterschiedlich.
Der Sympathikus ist der aktivierende Teil des vegetativen Nervensystems, der auf Leistung, Kampf und Flucht ausgerichtet ist, indem er Herzfrequenz, Blutdruck und die Durchblutung der Muskeln steigert. Der Parasympathikus sorgt dafür, dass der Körper regeneriert; er senkt den Puls, den Blutdruck und die Atemfrequenz, während er gleichzeitig die Magen-Darm-Tätigkeit ankurbelt. Introvertierte Menschen werden stärker durch den Parasympathikus bestimmt, während extrovertierte Menschen eher durch den Sympathikus bestimmt werden.
Kind, du hast wieder Flausen im Kopf.
Bestimmt hat so mancher Mensch diesen oder einen ähnlichen Ausspruch als Kind gehört. Vielleicht wurde wieder einmal eine Zeichnung, auf die sich Erwachsene keinen Reim machen konnten, entdeckt - und beurteilt? Oder ein Kind hat - noch offenherzig und vertrauensvoll - verbal Einblick in seine reiche Welt der Fantasie gegeben.
In der stillen Welt der Introvertierten entfaltet sich ein Universum, das - wenn überhaupt - nur mit wenigen Menschen und nach sorgsamer Abwägung geteilt wird. Vermutlich haben viele introvertierte Menschen bereits als Kind Ablehnung erfahren.
Wer introvertiert ist, sucht nicht den Lärm der äußeren Welt, sondern die Ruhe des Alleinseins. Eine innere Welt, in der Gedanken frei fließen und die Seele aufatmen kann. Dabei bedeutet diese Zurückgezogenheit keinen Mangel an Gesellschaft, sondern eine Pflege der eigenen Privatsphäre.
Alleinsein wird hier nicht als Einsamkeit empfunden. In dieser Stille keimt das Beobachten – und der stille Beobachter nimmt wahr, was andere übersehen. Ideen reifen langsam und mit Bedacht, eine kreative Kraft drückt sich vielfältig aus: Es entstehen Lieder, Texte, Melodien, Zeichnungen, und noch vieles mehr, denn dem stillen Menschen sind keine Grenzen gesetzt. In seinem Refugium kann ihm niemand Einhalt gebieten.
Auch Harmonie ist einem introvertierten Menschen kostbar. Mir bedeutet Harmonie nicht nur Frieden mit der Außenwelt, sondern vor allem Einklang mit mir selbst. Aufdringliche Menschen, noch dazu solche, die ihre Meinungen ständig ungefragt kundtun oder einen unpassenden Ton anschlagen, bereiten mir (auch körperliches) Unwohlsein.
Meine Privatsphäre, die mir kostbar ist, ist nicht nur mein persönlicher Schutzraum, sondern ein Ort der Selbstachtung und Freiheit. Die Grenzen, die ich ziehe, sind keine Mauern gegen die Welt, sondern Linien, die den Raum schützen, in dem mein Wesen gedeihen kann.
Introvertiertheit bedeutet nicht nur Zurückhaltung, sondern auch einen bewussten Lebensstil. Introversion zeichnet nicht zwingend einen schüchternen Menschen, sondern einen, der sorgsam prüft, welche Gedanken ihren schützenden Raum verlassen, um geteilt zu werden. Oft kann man lesen, dass introvertierte Menschen keinen Smalltalk mögen. Ich halte Smalltalk allerdings für eine Brücke, die durchaus zu einem tieferen Gespräch führen kann, diese Brücke erlebe ich zu meiner Freude des Öfteren.
Entscheidungen zu treffen, kann manchmal einen längeren Prozess bedeuten, denn auch hier gilt: Ich lasse mir meistens Zeit, denke an Konsequenzen und beobachte genau, was das Bauchgefühl sagt.
Manchmal, das fällt mir auf, bin ich etwas konfus, vor allem, wenn ich Überforderung in einer Situation fühle. Spätestens dann ist es wieder an der Zeit, etwas Wohltuendes zu unternehmen.
Foto: C* - in meinem Lieblingsgarten



Und schon wieder sprichst du mir aus dem Herzen, liebe C Stern, nur, dass du dich viel besser ausdrücken kannst als ich. Ganz wunderbar finde ich das.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die meisten Menschen nicht in uns Introvertierte hineinversetzen können. Wie auch, wenn ihnen genau das Empfinden fehlt, das uns zu eigen ist.
Aber ich habe gelernt, damit zu leben und es zumindest immer wieder zu versuchen, es anderen zu erklären. Dennoch fällt es mir inzwischen wesentlich leichter, wenn es mich belastet, mich von denen zu lösen, die mich nicht verstehen wollen oder können. Aber ich lerne auch sehr viele Menschen kennen, die genau diese Art mögen und sich freuen, jemanden zu begegnen, der soviel Empfinden hat.
Du zeigst auf schöne Art auf, wie unterschiedlich "gestrickt" wir Menschen doch sind.
Und so manches Missverständnis beruht wahrscheinlich darauf.
Es lohnt sich also, auch mal in den Schuhen des Anderen ein paar Schritte zu laufen, nur gedanklich ist das schon sehr hilfreich.
Einen feinen Pfingstsonntag wünsche ich dir und lasse liebe Grüsse hier,
Brigitte
Liebe C Stern, danke für diesen Text. Er regt an, über sich selbst ein wenig tiefer nachzudenken.
Danke dafür, für mich grad eine gute Ablenkung.
Dir einen feinen Pfingstmontag
herzlich, Edith