top of page

Der beste Freund des Menschen

  • Autorenbild: C*
    C*
  • 14. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit
ree


Es war wohl im Jahr 1983, als unser sehnlichster Wunsch nach einem Hund in Erfüllung ging. Zwei Mädchen, die ihre Eltern wiederholt bestürmt hatten, so ein wunderbares Geschöpf in die Familie aufzunehmen, hatten endlich Erfolg.

Ich erinnere mich noch, dass meine Schwester unseren kleinen Schatz zuerst entdeckte - sie nahm ihn in ihre Arme und herzte ihn als erste, was sich als die Basis einer innigen Liebe erweisen sollte. So sehr unser Dackel auch unsere Mutter und mich lieben würde, meine Schwester war ganz klar seine Nummer eins. Spätestens in diesem Augenblick lernte ich wohl ganz bewusst das Gefühl von Eifersucht kennen.

Natürlich bekam der junge Dackel auch einen Namen, er hörte auf den Namen Lukas. Oftmals hörte er allerdings auch nicht darauf.

Lukas eroberte nicht nur unsere kindlichen Herzen im Sturm, sondern auch das unserer Mutter. Unser Vater allerdings hielt Abstand, es sollte sich in der Zukunft auch immer wieder zeigen, dass er unseren Hund nicht mochte. Später fanden wir heraus, dass er auf unser neues Familienmitglied auch eifersüchtig war.

Wenn wir mit unserem Hund unterwegs waren, kamen immer wieder Menschen auf uns zu, die unserem Hund und uns Komplimente machten, weil er besonders hübsch war. Dafür sorgte sicher auch, dass unsere Mutter sehr auf seine Ernährung achtete. Auf sein glänzendes Fell war sie stets sehr stolz. Unser Dackel hatte wahrlich viele Fans, umgekehrt war er durchaus wählerisch, wem er seine Gunst erwies. Auch war er mitunter hartnäckig in seiner Verweigerung, wenn ihm eine Gassirunde nicht behagte. Da konnte es dauern, bis er endlich weitergehen wollte. Er war also ein Dackel mit großem eigenen Willen, was man dieser Rasse durchaus nachsagt. Typisch für ihn war auch, dass er seine Gefühle gerne lautstark zum Ausdruck brachte - er bellte oft und laut, ob er sich nun über etwas sichtlich freute oder wenn er seinen Protest über etwas Unerhörtes verlauten ließ.

Typisch für unseren geliebten Vierbeiner war ebenso, dass er sich schützend vor uns Kinder stellte, wenn unser Vater wieder einmal seinen Zorn auf uns abließ. Da zeigte ihm unser charaktervoller Hund seine Zähne, und er knurrte bedrohlich gegen unseren verärgerten Vater. Das brachte dem Hund mitunter auch einen Fußtritt ein, was er erst recht zum Anlass nahm, um unserem Vater nicht gewogen zu sein.

Wenn wir Kummer hatten, war unser treuer Gefährte der Richtige, dem wir uns anvertrauten.

Mehrmals pro Tag waren wir mit unserem Hund unterwegs, wobei besonders meine Schwester ausgedehnte Spaziergänge mit ihm unternahm. Nach seiner Abendrunde wartete er vor der Zimmertür meiner Schwester. Es war ihm anfangs offiziell nicht gestattet, in ihrem Zimmer zu schlafen, doch davon hielten weder der Hund noch meine Schwester etwas. Und klug war unser tierischer Liebling auch: Solange die Eltern nicht im Bett lagen, gab er den Anschein, alle Regeln zu befolgen. Doch wenn es ruhig wurde in unserer Wohnung, gelang es unserem listigen Dackel mühelos, sein nächtliches Lager zu erreichen. Mit einem Satz landete er im Bett meiner Schwester, wärmte ihr zunächst ihre Füße, dann kroch er unter ihre Bettdecke, um es sich bei ihrem Bäuchlein gemütlich zu machen. Am Morgen, wenn es an der Zeit war, aufzustehen, fanden wir ihn oft Kopf an Kopf mit seinem Liebling. Manchmal hielt er auch eine Vorderpfote um den Hals meiner Schwester.

Dass unser Dackel ein Hund mit ausgeprägtem Willen war, bewies er auch, indem er sich beispielsweise mit keinen Worten der Welt davon abhalten ließ, um das zu kosten, wonach ihm war: Einmal hat er auch heimlich und ganz leise den Kaffee meiner Mutter gekostet, was ihm einen kleinen Kaffeebart bescherte. Auch von einem Obstteller, der sich immer auf einem Wohnzimmertischchen befand, hat er einmal Weintrauben stibitzt. Beides hätte ihm schaden können, denn Hunde vertragen weder Kaffee noch Weintrauben.

In unsere Urlaube konnte er nicht immer mitkommen, so fand er sein zweites Zuhause im Haus der Großeltern und hatte dort auch tierische Gesellschaft. Zu dieser Zeit gab es einen gutmütigen Schäferhund, der dem kleinen Hund großzügig sein Nachtlager und seine Futterschüssel überließ.

Die Jahre vergingen und schließlich verließen wir Kinder die elterliche Wohnung.

Immer, wenn ich mit meiner Schwester auf Urlaub war, grüßten wir telefonisch auch unseren geliebten Hund, der stets mit heftigem Winseln und Schwanzwedeln auf unsere Stimmen reagierte. Sooft es möglich war, besuchten wir unseren treuen Hund. Schon von weitem erkannte er uns und lief uns jedes Mal mit wehenden Ohren entgegen, um vergnügt und glücklich an uns hochzuspringen.

Nach und nach färbte sich seine Schnauze langsam grau, auch das Fell begann sich zu verfärben. Diese Veränderungen haben wir wehmütig zur Kenntnis genommen, immer hofften wir inständig, dass sich die gute Ernährung positiv auf seinen Alterungsprozess auswirken würde. Und tatsächlich, er hatte ein gesegnetes Alter, als wir schmerzerfüllt von ihm Abschied nehmen mussten. Einige Male war er völlig entkräftet umgefallen, das Herz ... Wir wussten, was auf uns zukam. Seine letzten Tage habe ich verdrängt, ich war auch nicht beim Tierarzt dabei. Meine Schwester war so tapfer, ihn liebevoll in ihren Händen zu halten.

Ich denke sehr oft an unseren so geliebten Begleiter unserer Kindheit und darüber hinaus. Unser Hund war unzählige Male Trost und Halt in dunklen Stunden - wie gern habe ich mein Gesicht an sein weiches und glänzendes Fell gedrückt.


Dass Hunde die treuesten tierischen Begleiter eines Menschen sein können, zeigt sich auch im Spielfilm Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft, der auf wahren Begebenheiten basiert. Eine Warnung: Dieser Film geht arg zu Herzen.


In meinem Beitrag Bereit für ein Wunder steht die heilsame Begegnung eines Kindes mit einem Minischwein im Mittelpunkt.


Foto: C* #Filmtipps

 
 
 

4 Kommentare


Edith Hornau
Edith Hornau
15. Nov. 2025

Du Liebe, ich kann dich so gut verstehen. Auch wir hatten in unserem Leben zwei Hunde. Sie gehörten einfach dazu, machten das Leben reicher. Liebe und Freundschaft verkörpern sie gleichermaßen. Als unser letzter dann starb, es war ein Airedale Terrier Ferry, sogar ein Hund aus einer Zucht, da waren wir alle ein viertel Jahr nicht zu gebrauchen - die Tränen saßen locker, die Fotos überall - es war herzzerreißend. Meine Kinder, zwar nicht mehr im Haushalt lebend, wollten gern, dass wir wieder einen Hund aufnehmen, aber hier musste der Verstand siegen, wir waren schon zu alt dafür. Er hätte uns können gut überleben, aber dann noch in einen anderen Haushalt, das wollten wir nicht.

Dir liebe Grüße,

Edith

Gefällt mir
C*
C*
15. Nov. 2025
Antwort an

Vielen Dank für Deine Erzählung, liebe Edith,

ich habe gegoogelt, wie ein Airedale Terrier aussieht - und siehe da, im Wohnzimmer meiner Oma, auf einer Ablage beim Kachelofen, gab es einen in Miniaturform. Der war schon sehr zerzaust, offensichtlich wurde gerne mit ihm gespielt.

Gestern war so ein Tag für mich, da war unser so tapferer und treuer wie liebevoller Begleiter ganz intensiv in meinen Gedanken. Als ich meine Zeilen schrieb, kamen diese aus meinem tiefsten Herzen und auch aus dem Gefühl und Wissen heraus, dass ich unseren Dackel niemals vergessen werde. Wenn ich an ihn denke, steigen immer noch Tränen hoch, vor Rührung über sein Wesen, aber auch, weil es ihn schon so lange nicht mehr gibt. Ja, man…

Gefällt mir

Brigitte Fuchs
Brigitte Fuchs
15. Nov. 2025

Es ist wunderbar geschildert, wie du euern geliebten Dackel Lukas und seine Stellung in der Familie beschreibst. Ja, so ein Haustier kann einem schon enorm ans Herz wachsen.

Wir hatten früher zuhause und später in der eigenen Familie immer verschiedenste Tiere, aber ein Hund war nie dabei. Schade vielleicht.

(Den Film von Hachiko kenne ich auch, er ist herzzerreissend!)

Dir ein frohes Wochenende und lieben Gruss,

Brigitte


Gefällt mir
C*
C*
15. Nov. 2025
Antwort an

Dankeschön -

der Kontakt mit Tieren ist für uns Menschen wichtig, das sehe ich auch in Seniorenwohnhäusern oder in Kinderbetreuungseinrichtungen.

Ich dachte mir schon, dass der Film über Hachiko manchen bekannt ist. Hachiko hat ja sogar eine eigene Statue erhalten, in Japan ist er eine Berühmtheit.

Dir auch ein schönes Wochenende, liebe Grüße, C Stern

Gefällt mir
bottom of page