Cooler Sommer
- C*

- vor 1 Tag
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Den heißen Temperaturen etwas entgegensetzen - ich stelle mir winterliche Wege vor oder luftige Höhen im Gebirge. Vielleicht hilft es ja ...
Nicht nur Menschen kommen bei den derzeit herrschenden Temperaturen zu Schaden, es leidet auch die Natur massiv und sogar die Infrastruktur: Betonplatten, die sich so stark auf den Straßen ausdehnen, dass es zu massiven Schäden kommt, es müssen Straßen gesperrt werden. Schienen, die sich verformen, es kommt zu Schienenersatzverkehr bei Straßenbahnlinien und bei Zugverbindungen. Atomkraftwerke, die ihre Leistungen herunterfahren oder gar stillgelegt werden müssen, weil es mit der so wichtigen Kühlung nicht mehr klappt.
Die Gefahr von Waldbränden und verheerenden Unwettern steigt, das ist den meisten von uns wohl sehr bewusst - wobei Waldbrände sehr oft mit menschlichem Fehlverhalten einhergehen. Dass dies nach so vielen leidvollen Erfahrungen immer noch vielerorts der Fall ist, lässt mich den Kopf schütteln.
Viele Menschen, die im Freien arbeiten, sind derzeit besonders zu bedauern - vielleicht müssen wir auch in unseren Breiten darüber nachdenken, in diesen Bereichen andere Arbeitszeiten anzubieten?
Meine Wohlfühltemperatur sind 25° C. Immer öfter höre ich diese Zahl auch von anderen Menschen. Menschen, die unter Temperaturen über 30° C ebenso leiden wie ich.
Im Geiste überlege ich alle Schattenplätzchen in der Stadt - viele fallen mir nicht ein, aber ich könnte mich beispielsweise im kühlen Märchenkeller am Linzer Pöstlingberg aufhalten. Oder in einem Gastgarten, in dem es viele Bäume gibt. Oder auf einem kleinen Schiffchen an der Donau, wo ein Lüftchen weht.
Oder eben zuhause, Fenster und Türen fest verschlossen, genau so mache ich das auch. Ich versuche, mich kaum zu bewegen, mit Lesen gelingt das ja schon mal ganz gut. Ich fühle mich für einen Ausflug einfach zu lethargisch und zu hitzescheu. Da hätte ich schon am frühen Vormittag aufbrechen müssen.
Ich sehne mich nach einer guten Fee, die mir drei Wünsche erfüllt:
Wir befinden uns sofort in einer kühlen Holzhütte in den Kärntner Nockbergen
Riesenfächer, die von der Decke aus gesteuert werden - statt Klimaanlagen in Räumen
Häufiges Eisessen ist der Gesundheit zuträglich
Mein Partner ist dieses Wochenende auf einem Fest (an zwei Tagen!) beschäftigt. An ihm bleibt seit gestern der mühsame Abwasch von Tellern und Gläsern hängen, schweißtreibend und anstrengend den Geschirrspüler befüllen und ausräumen, wieder befüllen und wieder ausräumen, dies stundenlang - Wasserdämpfe einatmen inklusive. Auch ohne diese besondere Hitze eine Plage. Jede*r leistet eben seinen Beitrag bei einem Fest, das ist auch gut so - also grundsätzlich. Mir ist allerdings unverständlich, wie man bei rund 40° C feiern kann, aber meine Meinung zählt in diesem Fall natürlich nicht. Ich lese allerdings, dass mehrere Feste abgesagt wurden, was ich für verantwortungsvoll halte. Dass die Rettung derzeit oft zu hören ist, ist keine Überraschung. Kreislaufprobleme plagen inzwischen nicht mehr nur alte Menschen. Deshalb habe ich mich vergangene Woche auch nur kurz mit meiner Mutter beim jährlichen Sommerfest des Altenwohnheimes aufgehalten. Die alten Leutchen saßen zwar unter Sonnenschirmen, aber diese konnten die Hitze kaum abhalten. Wir sind relativ schnell wieder in die angenehm gekühlten Räume geflüchtet.
Mit Klimaanlagen ist das ja auch so eine Sache: Sie sind oft so kühl eingestellt, dass es ein Schock ist für den Körper, von gnadenlos heißen Außentemperaturen in eiskalte Räume zu wechseln. Gesund ist sowas sicherlich nicht, aber wer versteht schon was von Klimaanlagen? Der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperaturen sollte nicht mehr als 6° C betragen, das lese ich immer wieder.
An meinem Arbeitsplatz werden die Klimaanlagen schon fleißig getestet, ich bin kein großer Fan. Zudem müsste man auch eine Einstellung finden, die für alle akzeptabel ist, was ich für ein schwieriges Unterfangen halte.
Am Freitag saß ich drei Stunden wartend in einem Gang, meiner Zahngesundheit zuliebe. Ein listiges Marmeladekörndl hatte am Vortag eine nur noch dünne Zahnschicht von der Plombe getrennt, Schmerzen inklusive. Der Gang wurde von einer Klimaanlage gekühlt, meine Füße waren eiskalt, ich hatte mich in einen Schal eingewickelt und war zunächst ganz allein mit meinem Unwohlsein, bis ich in einem anderen Gangstück hin- und herging. Erst eine ältere Frau brachte die eisigen Temperaturen zur Sprache, sie beschwerte sich am Empfang. Man könne diese Anlage nicht individuell steuern, hörte sie als Antwort.
Danach, als mein Zahn provisorisch behandelt war, machte ich noch meinen Lebensmitteleinkauf. Jedes Mal, wenn ich die frisch gelieferten Schnittblumen und Topfpflanzen sehe, bekomme ich Mitleid mit den Pflanzen und ärgere mich über den Lebensmittelhandel, denn ich weiß, dass die frisch geliefertern Pflanzen kein weiteres Wasser erhalten werden, während sie bei glühender Hitze auf ihre Käufer*innen warten. Unzählige Blumensträuße und Topfpflanzen, die nicht versorgt und verkauft werden, und auf diese Weise leider verdorren. Ich finde es allein unter diesem Gesichtspunkt unsinnig, dass der Lebensmittelhandel auch Blumen verkaufen darf.
Was auch immer hilft, gut durch die Hitze zu kommen, wünsche ich Dir.
Foto: C* #Natur



Liebe C*, ein Blick auf die winterliche Landschaft tut derzeit wahrlich gut. Auch meine Wohlfühltemperatur bewegt sich um die 25 Grad, genauer gesagt zwischen 15 und 25, und davon sind wir ganz schön weit entfernt. Aber zu klagen und zu leiden hilft uns leider nicht sehr viel, also versuche ich, mich damit zu arrangieren, so gut ich kann. Ich habe eine Sprühflasche mit Menthol (für die Beine) und eine mit Wasser (für den Rest der erhitzten Traude), einen Ventilator, wie bei dir ist alles verdunkelt und gelüftet wird nur in den frühen Morgenstunden bzw. nachts. Im Schlafzimmer haben wir eine Klimaanlage, die angenehm, aber nicht eiskalt eingestellt ist (denn letzteres haben wir in Indien und anderen heißen Ländern erlebt -…
Das, was du hier geschrieben hast, kann man 1 zu 1 auf Berlin übertragen. In der Beziehung werden sich wohl alle Großstädte ähneln. Ich bin froh, dass ich am Rand wohne und fußläufig auch Felder und Wälder in Brandenburg erreiche.
Liebe Grüße - Jutta