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Auf der Parkbank

  • Autorenbild: C*
    C*
  • 17. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit


Rauschender Alltag, Gedankenkarusselle, Rastlosigkeit im Innen -

innere und äußere Ruhe sind längst zum Luxus vieler Menschen geworden. Die digitale Welt überfordert das menschliche Gehirn und viel zu oft versuchen wir uns an Multitasking - dabei möchte unser Gehirn lieber eine Sache nach der anderen erledigen.

Wenn das Gehirn zu viele Informationen verarbeiten muss, schüttet der Körper die Stresshormone Adrenalin und Cortisol aus. Ein zu hohes Niveau an Stresshormonen verbindet unser Gehirn mit Gefahr, es herrscht also zu häufig und zu lange Alarmbereitschaft. Die Folge sind etwa ständige Wachsamkeit, schlechter Schlaf, mangelnde Konzentration; es fällt uns schwer, in Ruhe zu denken und zu planen oder Entscheidungen zu treffen, auf der psychischen Ebene kann es zu Ängsten, Depressionen und anderen Erkrankungen kommen.

Eine ganze Wellness-Industrie ist inzwischen äußerst erfolgreich damit beschäftigt, Menschen aus ihren Hamsterrädern zu locken. Ein, zwei Wochen danach geht es wieder weiter im gewohnten Lebensrausch.


Ein Zuviel an Denken, ein Zuwenig an Leben. Wenn Herzen aus dem Takt kommen oder der Körper auf andere Weise seine Missstimmung zeigt, wenn Seelen keinen Frieden mehr finden, dann ist es aus meinem eigenen Erleben höchst an der Zeit, etwas nachhaltig im eigenen Tempo, in Verhaltensweisen zu ändern.

Vor zwanzig Jahren habe ich mich während meiner einjährigen Rekonvaleszenz, die einem Burnout und einer tiefen Depression folgte, dazu entschieden, beruflich kürzer zu treten. Diese Entscheidung war ein radikaler Schlussstrich unter einen Chef mit riesigem Ego, hektische Betriebsamkeit und viele Überstunden.

Ich habe damals ganz bewusst einen Halbtagsarbeitsplatz im Ausmaß von 25 Stunden gewählt. Das Geld war zwar äußerst knapp, doch meine Innenwelt fühlte sich so leicht, so unermesslich reich und herrlich bunt an. Auch mein Aufgabenbereich in der pädagogischen Arbeit mit Kindern war für mich zunächst eine glückliche Fügung. Im Außen habe ich zu dieser Zeit nichts vermisst. Ich konnte meine freie Zeit mit viel Erfüllendem verbringen.

Manchmal saß ich auf Parkbänken und beobachtete Menschen, wie sie an mir vorbeieilten und keinen Blick für Schönes hatten. Ich hingegen konnte sehr viel Sonne für meine Seele tanken.

Erst vor ein paar Tagen stand eine Frage im Raum: Geld oder Zeit? Meine Antwort lautet immer wieder: Zeit


Foto: C* vor einigen Jahren in der hübschen Stadt Lienz, Osttirol - auch als Perle der Dolomiten bekannt

 
 
 

8 Kommentare


andreaobi
19. Jan.

Auch ich habe mich immer für Zeit entschieden und es nie bereut. Zeit ist der größte Luxus für mich! In erster Linie traf ich diese Entscheidung für meine Kinder. Später dann für mich.


Liebe Grüße!

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C*
C*
19. Jan.
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Ich glaube, wir brauchen mehr Zeit, um viele Eindrücke zu verarbeiten, um Emotionen zu verdauen, um Erlebtes einzuordnen, ... Ich interessiere mich zum Beispiel im Moment eher für kleine Ausstellungen, weil mir größere einfach zu viele Reize geben, ich ermüde rasch.

Ganz liebe Grüße in Deinen Tag!

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stemmer.recklinghausen
stemmer.recklinghausen
18. Jan.

Parkbänke sind Einladungen innezuhalten, zu schauen, zu lauschen.

Dort können Seelen sich entfalten ... Sonnige Sonntagsgrüße

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C*
C*
18. Jan.
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Das sehe ich auch so - schön, Deine Formulierung, dass sich Seelen entfalten können. Gefällt mir sehr!

Die Seele baumeln lassen, das höre und lese ich des öfteren, es klingt aber für mich eher etwas chaotisch.

Wir hatten heute wieder einen schönen Tag, den ich sehr genossen habe.

Späte herzliche Grüße nach Recklinghausen

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Edith Hornau
Edith Hornau
18. Jan.

Liebe C Stern, oh ja, es ist ein Balanceakt, in dem man Entscheidungen fällen muss. Auch ich wählte einst die Zeit, weil mir die Arbeit über den Kopf wuchs - Leiterin einer Bibliothek, Leiterin des städtischen Museums, viele Stadt- und Kirchenführungen an fast allen Wochenenden, dazu noch verantwortlich für die Aufarbeitung der Historie der Stadt, das monatliche Amtsblatt auf die Beine stellen, ach, und noch einiges Kleines mehr. Es war auf Dauer einfach nicht mehr möglich, vor allem, weil man dabei ja auch älter wurde, alles langsamer ging. Glaub mir, ich bin in allem richtig aufgegangen, habe darin geblüht und dies wurde mehr und mehr ausgenutzt.

Heute stelle ich fest, dass es auch ohne mich geht, schlecht und recht, aber…

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C*
C*
18. Jan.
Antwort an

Ja, es ist ein Balanceakt, das erfahre ich auch so. Wir hatten da offensichtlich ähnliche Erlebnisse in der Arbeitswelt, liebe Edith! Du hast eine sehr bewegte berufliche Vergangenheit; eine Zeit, die wohl äußerst fordernd war. Dass Du Deine Arbeit mit sehr viel Hingabe und Liebe gemacht hast, kann ich deutlich erahnen.

Und zudem kenne ich es auch, dass aus einem überstundenintensiven Arbeitsplatz plötzlich zwei gemacht wurden.


Man wird mit so vielen Informationen gefüttert, wenn man aus dem üblichen Verhalten aussteigt, es wird auch mit Ängsten gearbeitet: Wenn man keiner Vollzeitarbeit nachgehe, werde man verarmen, etc. Es muss sich hier allerdings ohnehin einiges ändern, denn so wie jetzt geht es nicht mehr weiter. Einerseits werden viele Arbeitsplätze abgebaut, andererseits will man…


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Brigitte Fuchs
Brigitte Fuchs
18. Jan.

Die gut erlebte Zeit dem Geld vorzuziehen ist bestimmt eine gute Wahl.

Es liegt an jeder und jedem von uns, diesen Balanceakt im Leben hinzukriegen oder wenigstens zu erreichen versuchen.

Ich wünsche dir alles Gute bei den anstehenden Entscheidungen.

Lieben Sonntagsgruss, Brigitte

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C*
C*
18. Jan.
Antwort an

Es wird ja Menschen, die nicht Vollzeit arbeiten, oft eingeredet, dass sie auf ihre Pension achten sollten.

Da ich keinen aufwendigen Lebensstil pflege, bin ich zuversichtlich, dass ich auch im Alter ausreichend versorgt bin.

Es muss sich ohnehin etwas entscheidend ändern in unserer Lebenswelt, aber das ist ein anderes und sehr umfassendes Thema.

Vielen lieben Dank für Deinen guten Wunsch, herzliche späte Grüße sende ich Dir - nach einem wunderbaren Tag im Salzkammergut 😊

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