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Salzkammergut vom Feinsten

  • Autorenbild: C*
    C*
  • vor 3 Stunden
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Aktualisiert: vor 1 Stunde




Wieder einmal sind wir bei prächtigem Wetter unterwegs mit dem Zug ins Salzkammergut. Fein finde ich, dass nicht viele Reisende im Zug sitzen, es ist angenehm ruhig - zunächst zumindest. Eine Strecke wird etwas mehr als zwei Stunden Fahrzeit betragen und es gibt bereits speziell ab dem Zeitpunkt, wo wir am Traunsee vorbeifahren, tolle Ausblicke auf die Bergwelt des Salzkammerguts. Noch befinden wir uns im oberösterreichischen Teil. Während wir weiter ins Salzkammergut mit einer Geschwindigkeit, die recht angenehm fürs Betrachterauge ist, hineinfahren, wird die Aussicht immer spektakulärer. Ab Bad Goisern ist meine Begeisterung grenzenlos: Wie sich hier blauer Himmel mit weißen Gipfeln und Gebirgsketten vermählt, bedeutet pure Freude für mein Herz, das sich von anmutigen Bergwelten gerne verzaubern lässt.

Unsere Destination ist Bad Aussee, allerdings ist diesmal bereits unsere Zugreise ein höchst lohnendes Ziel, das soll unbedingt erwähnt sein.

Etwas irritiert werden wir leider von Tourist*innen, die im Salzkammergut zusteigen und jede Zug-Etikette vermissen lassen. In einer uns nicht bekannten Sprache wird von den Erwachsenen gelärmt, dass es schlicht störend ist. Bei dem hektischen Hin und Her dürfte es sich um eine Diskussion untereinander handeln, denn die Landschaft wird eindeutig nicht bewundert. Als dann auch noch musikalische Untermalungen geliefert werden, ist bei mir das Fass schon fast am Überlaufen und wir hoffen, dass die Herrschaften spätestens in Hallstatt den Zug verlassen werden. Und so geschieht es auch - wir können erfreulicherweise in Ruhe weiterfahren und werden bald ankommen.

Doch zunächst geht es noch über den Koppenpass, der an der oberösterreichisch-steirischen Grenze verläuft. Vereinzelt können wir hier kleine Hütten sehen, in denen üblicherweise Mitarbeiter*innen der ÖBB als Lawinenposten ihre wichtigen Beobachtungen verrichten.


Schließlich sind wir am Zielbahnhof angelangt und wir machen uns auf zu einem kurzen Weg ins Zentrum der kleinen Kurstadt, die etwa 5000 Einwohner*innen zählt. Es heißt übrigens, dass in dieser Gegend angeblich niemals Nebel herrscht.

Unser schmaler Weg, auf dem wir uns aufgrund vieler eisiger Flächen ganz vorsichtig an Zäunen entlangtasten, führt vorbei an zahlreichen äußerst hübschen Einfamilienhäusern und Häusern, die in dieser kleinen Stadt ein recht typisches Aussehen haben.



Typisch in Bad Aussee: Viele Häuser sind mit einem Brickl versehen, eine über mehrere Geschoße gezogene Holzveranda mit geschnitzten Verzierungen.
Typisch in Bad Aussee: Viele Häuser sind mit einem Brickl versehen, eine über mehrere Geschoße gezogene Holzveranda mit geschnitzten Verzierungen.

Man kann es sich vielleicht schon denken, in Bad Aussee wird Tracht getragen. Aber nicht nur das, das schmucke Städtchen nennt sich sogar Trachtenhauptstadt. Es ist kein Geheimnis, dass sich hier Tourist*innen und Kurgäste perfekt einkleiden lassen können, ganz günstig ist das allerdings nicht. Viele kleine Geschäfte locken mit sehr hübschen Auslagen, bestimmt lässt es sich in diesen Läden ganz vorzüglich in den Ausseer Lebensstil eintauchen.





Ein Mann, der die Tracht einst ebenfalls zu seiner Lieblingskleidung erwählt hat, war Erzherzog Johann von Österreich (1782 - 1859), dem wir in Bad Aussee auf Schritt und Tritt begegnen - und das aus gutem Grunde: Der Erzherzog hatte eine innige Verbindung zum Salzkammergut, dessen Entwicklung er auch intensiv förderte. Er galt als äußerst volksnah, was sich mit seinem adeligen Stand allerdings nicht vereinbaren ließ. Mit dem Habsburger Hof geriet er vollends in einen Konflikt, als er sich in Anna Plochl verliebte, die Tochter eines Postmeisters war. Letztendlich konnte er sie nach jahrelangem zähen Ringen um die Zustimmung seines Bruders, Kaiser Franz I. (1768 - 1835), doch noch heiraten.





Wie es für uns üblich ist, suchen wir früh ein gutes Wirtshaus auf, die gutbürgerliche Küche des Hauses wird uns überzeugen. Doch bevor wir zur Speisekarte greifen können, kommt es zu einer kurzen amüsanten Unterhaltung mit zwei älteren einheimischen Männern, die uns zunächst für zwei Frauen halten. Das passiert tatsächlich öfter, wenn wir unterwegs sind, denn mein Partner trägt sein ergrautes Haar schulterlang (es steht im übrigens ausgezeichnet). Er kann seine Identität einwandfrei klären, einem zünftigen Mahl steht nun nichts mehr im Wege.

Nach unserem Mittagessen brechen wir auf, um das Stadtzentrum weiter zu erkunden.


Dass in Bad Aussee übrigens das Christkind zuhause ist, erfahren wir auf unseren Wegen ebenfalls. In dieses Häuschen würde ich sofort einziehen ...





Nachdem wir von einer kleinen Anhöhe einen tollen Ausblick auf das Zentrum und das Gebirge ringsum nehmen können, lockt es uns zu einem süßen Nachtisch. Wir werden rasch an einer guten Adresse fündig und genießen eine angenehme kurze Pause in stilvollem Ambiente. Wir lassen unseren Tagesausflug Revue passieren und kommen mit Dankbarkeit für einen gelungenen Ausflug ins Salzkammergut zu unserem Resümee.

Das Ausseerland, im Nordwesten des Bundeslandes Steiermark gelegen, gehört zweifelsohne zu den schönsten Gegenden, die Österreich zu bieten hat, das hat sich heute höchst eindrucksvoll bestätigt. Zahlreiche Seen und Flüsse werden von den Bergmassiven der Nördlichen Kalkalpen pittoresk eingerahmt und lassen das beglückende Gefühl zu, dass diese kleine Welt noch in Ordnung ist. Bergfex*innen aus Nah und Fern kommen hier sicherlich vollends in ihren Genuss, und dies zu allen Jahreszeiten.

Ich glaube allerdings, dass man den tiefen Zauber dieses Paradieses ganz besonders an sonnigen Wintertagen verspüren kann. Eine Reise mit dem Zug ist unbedingt empfohlen - es ist eine Wohltat, diese kleine Welt auf ewig ins Herz schließen zu können.


 
 
 

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