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Familienaufstellung

  • Autorenbild: C*
    C*
  • vor 2 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit



Seit einigen Jahren erlebe ich keine Treffen im Verwandtenkreis mehr. Einige Jahre erfolgten noch Einladungen, inzwischen werde ich ignoriert.

Etwas genauer formuliert, handelt es sich um eine Kusine, mit der mich früher eine engere Beziehung verband. In manchen Angelegenheiten war ich eine absolute Vertrauensperson. Wenn es etwa um Reibereien im Elternhaus ging, wurden mir tiefe Einblicke anvertraut und so mancher Rat eingeholt, dies über mehrere Jahre. Ich war ein sicherer Hafen, um Kummer und Unsicherheiten auszusprechen, auf meine Diskretion konnte sich die Kusine immer verlassen.

Dieses Verhältnis hat sich drastisch verändert - es gibt keine Verbindung mehr und ich kann mir nicht erklären, wieso mein Rückzug von meiner Kusine nie hinterfragt wurde, und zwar bei mir selbst.


Ich habe sehr feine Antennen und spüre rasch, wo Beziehungen in eine Schieflage geraten (sind), wo gegenseitige Ansprüche und Erwartungen Menschen einengen, wo Gefühle, die vorhanden sind, unterdrückt werden.

Nicht selten, dass ich in der Vergangenheit deutlich gespürt habe, dass bei diesen verwandtschaftlichen Treffen unausgesprochene Dinge in der Luft lagen, ich meine auch ganz klar Antipathien - über die ich einerseits Bescheid wusste, sie andererseits aber auch deutlich wahrnehmen konnte. Ich habe nie verstanden, warum man sich mit Menschen stundenlang an einen Tisch setzt, die man nicht sonderlich schätzt oder denen man auch grobe Vorurteile entgegenbringt.

Ich saß einst sehr fühlig dabei oder ich nahm etwas räumlichen Abstand ein und ließ die Runde auf mich wirken. Was sich laut und herzlich ausnahm, spürte ich mitunter als unpassend und falsch. Ich kam mir manchmal vor, als wäre ich mitten in einer kuriosen Familienaufstellung. Die Beziehungsgeflechte fand ich einerseits faszinierend, andererseits spürte ich meinen Unmut deutlich, da Platz zu nehmen, wo manchmal Aufrichtigkeit einfach fehlte. Ich fasste den Beschluss, solchen Treffen aus diesen und auch anderen Gründen künftig fernzubleiben. Es gab vor ein paar Jahren noch einen Versuch, inmitten dieser Runde Platz zu nehmen - es war mein letzter Versuch. Ich bin inzwischen ein Fremdkörper, durch meine eigene Entscheidung, das sehe ich ganz klar.

Ich habe verstanden, dass ich es nicht jedem Menschen recht machen kann - aber andererseits selbst ganz bei mir bleiben möchte. Ich möchte mich für niemanden verbiegen.


Foto: C*

 
 
 

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